Solidaritätskomitee Mexiko Salzburg - Würde durch Freiheit und Gerechtigkeit

Zum Gedenken an den Internationalisten Peter Kreisky:

Gespräch 3: 20. Juni 2011, 19 Uhr:
Fleischerei, Kirchengasse 44, 1070 Wien

MEXIKO: DIE RÜCKKEHR DER TOTEN

Kurator/Moderator: Leo Gabriel (Journalist, Latein-Amerika Experte, Mitarbeiter ORF) in Zusammenarbeit mit der österreichischen Mexiko-Plattform.

Dass Mexiko zusehends in einem Meer von Blut und Rache einander bekämpfender Drogenbosse, aber auch der rapide ansteigenden Repression gegen MenschenrechtsaktivistInnen und soziale Bewegungen zu ertrinken droht, ist längst keine Neuigkeit mehr. Weniger bekannt ist jedoch, dass sich in den letzten Monaten in diesem „failed State“ (gescheitertem Staat) eine immense Menschenrechtsbewegung entwickelt hat, die derzeit gemeinsam mit den Familienangehörigen der Opfer und unter der Führung des bekannten Dichters Javier Sicilia die von der Gewalt am meisten betroffenen Gebiete bereist.

Darüber und über die kulturellen Hintergründe der aktuellen politischen Situation in Mexiko berichten der Journalist und Anthropologe Leo Gabriel und der mexikanische Menschenrechtsaktivist Ricardo Loewe im Rahmen eines Diskussionsabends mit Eva Brenner, bei dem auch aktuelle Videos gezeigt werden – zum Gedenken an Peter Kreisky, der sich gerade in der letzten Phase seines Lebens besonders aktiv für die Menschenrechtssituation in Mexiko engagiert hatte.

 

„El Sur“ – unabhängige Tageszeitung in Guerrero

Die Tageszeitung “El Sur” wurde vor 18 Jahren von Journalist_innen mit der finanziellen Hilfe von hunderten von Unterstützer_innen aus der Zivilgesellschaft gegründet. Sie wird von dem Interesse getragen, ein Kommunikationsmedium zu haben, das objektiv über die Geschehnisse im Bundesstaat Guerrero sowie über den nationalen und internationalen Kontext informiert. Sie bietet seither Raum für Kritik und Analyse, ausgehend von diesem im Süden Mexikos gelegenen Bundesstaat.
Seit ihrem Beginn wird die Zeitung jedoch durch die jeweils herrschende politische Macht angegriffen. Sie versucht, jegliches Medium verschwinden zu lassen, das sich nicht unter ihre Kontrolle begibt. So musste den anfänglichen Zielen ein weiteres hinzugefügt werden: Die Verteidigung der eigenen Zeitung, der Kampf um ihre Existenz.
Seit ihrem Entstehen ist „El Sur“ mit der Tatsache konfrontiert, dass das Recht auf Meinungsfreiheit und Information in Mexiko und Guerrero nicht garantiert wird. Dieses Recht in die Praxis umzusetzen ist speziell in Guerrero außerordentlich schwierig.
Die ersten und unmittelbarsten Feinde des freien Zeitungswesens sind die unantastbaren Gouverneure, die stets von der Bundesregierung unterstützt werden. Diese wiederum zeigt ihr Gesicht in Guerrero in erster Linie durch das Militär, dessen Präsenz die Regierung über Jahrzehnte hinweg mit der Argumentation des Kampfes gegen den Drogenhandel und der Guerilla rechtfertigt.
Die Angriffe auf „El Sur“ beginnen wie üblich mit dem Boykott öffentlicher Werbeeinschaltungen und dem damit verbundenen Verlust privater Anzeigen. Sie setzen sich fort mit öffentlichen Diffamierungen und Anzeigen, die den Zweck verfolgen, Veröffentlichungen zu bestrafen, die von Mächtigen als  störend  empfunden werden und reichen bis hin zu physischen Angriffen und persönliche Bedrohungen. Zuletzt wurde im November 2010 die Redaktion von „El Sur“ in Acapulco unter Beschuss genommen, zu einem Zeitpunkt, zu dem 13 Journalist_innen im Gebäude arbeiteten. Die Angreifer gossen Benzin aus und versuchten Feuer zu legen. Im März 2011 fand ein weiterer Einschüchterungsversuch statt, indem der Direktor und die Mitarbeiter_innen in der Redaktion telefonisch bedroht wurden.
In „El Sur“ sind wir überzeugt, dass die Angriffe von Machthabern ausgehen, die diese Zeitung verschwinden lassen wollen. Grund dafür ist, dass „El Sur“ in Guerrero, einem der ärmsten mexikanischen Bundesstaaten, über wirtschaftliche und soziale Rückständigkeit, Korruption, politische Verbrechen, über die sozialen Bewegungen, indigene Völker, Repression und Aufstandsbekämpfung, über die Militarisierung der indigenen Gemeinden, Menschenrechtsverletzungen, die Arbeit der Menschenrechtsverteidiger_innen und über die Verteidigung des Wassers sowie der natürlichen Ressourcen berichtet. Allein die Verbreitung von Analysen und Meinungen über das tägliche Leben fordern einen hohen Preis und bedeuten ein großes Risiko.

Mutiger Journalismus in Mexiko

Mittwoch, 08.06.2011 19:00h
Gesellscha ftswissenschaftliche Fakultät, Rudolfskai 42

Maribel Gutiérrez und Juan Angulo Osorio sprechen über den täglichen Kampf um die Existenz ihrer Tageszeitung „El Sur“ im südlichen Bundesstaat Guerrero, der Verteidigung des Rechts auf Meinungsfreiheit und Information in einem Land, in dem seit dem Jahr 2000 nach offiziellen Angaben 68 Journalist_innen ermordet und 13 verschwunden gelassen wurden.
Mexiko befindet sich derzeit an 137. Stelle von 170 Staaten in Bezug auf Pressefreiheit.

Maribel Gutiérrez ist Chefredakteurin bei El Sur. In über 20 Jahren Tätigkeit als investigative Journalistin – zuerst bei La Jornada, dann als Mitbegründerin von „El Sur de Acapulco“ – berichtet sie über Repression, Militarisierung, die Regierungsver antwortung bei Massakern und politischen Morden. Eine ihrer herausragenden Leistu ngen ist die Identifizierung der mutmaßlichen Mörder der Menschenrechtsanwältin Digna Ochoa im Juni 2002.
Auf Grund ihrer kritischen Berichterstattung ist sie ständigen Bedrohungen ausgesetzt. Sie erhielt 1997 den „Courage in Journalism Award“ der International Women’s Media Foundation, IWMF.

Juan Angulo Osorio ist Direktor der Tageszeitung „El Sur de Acapulco“. Er verteidigt seit Jahren deren unabhängige Stimme gegen die Repression der jeweiligen Regierung in Guerrero, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos.

Ricardo Loewe, Arzt und Menschenrechtsverteidiger aus Mexiko führt das Gespräch

Die Veranstaltung der Gras Salzburg (salzburg.gras.at) und des Solidaritätskomitees Mexiko Salzburg wird übersetzt.
Eintritt frei!

Mehr Infos zur Tageszeitung „El Sur“